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Pressemeldungen 2005

17.10.2005

Deutsche Hospiz Stiftung zum Deutschen Fernsehpreis 2005: Selbstbestimmung nicht durch Töten, sondern durch Begleiten


Deutsche Hospiz Stiftung zum Deutschen Fernsehpreis 2005: Selbstbestimmung nicht durch Töten, sondern durch Begleiten

Kategorie:Pressemitteilungen 
Erstellt von: newseditor

Dortmund. „Dass gerade in der aktuellen politischen Diskussion um aktive Sterbehilfe dieser Film zum eindeutigen Gewinner des Deutschen Fernsehpreis 2005 gewählt wurde, ist bezeichnend“, erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Gleich vier Preise erhielt der liebevoll inszenierte Film von Rainer Kaufmann um das gesellschaftliche Tabuthema Sterben. „Die Geschichte um die unheilbar kranke Maria Stadler zeigt, dass es auch anders gehen kann“, begrüßt Brysch die Prämierung. „Wenn die Voraussetzungen stimmen, dann löst sich der Wunsch nach Tötung in der Praxis auf.“

Brysch zum Film „Marias letzte Reise“:

Maria Stadler ist 71 Jahre alt. Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt. Marias Schädel ist kahl. Das Gesicht ist blass und faltig, die dunkelbraunen Augen liegen tief in den Augenhöhlen, der Mund ist vom Schmerz verzerrt. Der ganze Körper ist ausgemergelt und schwach. Wie geht es jemandem, der eine Chemotherapie nach der anderen über sich ergehen lässt und der doch spürt, dass es keine Heilung mehr gibt. Der weiß, dass die Tage gezählt sind. Wie fühlt sich jemand, dessen behandelnder Arzt trotzdem behauptet, das beste sei im Krankenhaus zu bleiben und eine weitere Chemo zu machen. Wie ist das, wenn man im Krankenhaus liegt und junge, gesunde, hübsche Krankenschwestern Patienten abfertigen und Verstorbene routinemäßig in den Keller fahren? Und wenn einen die Angehörigen mit Floskeln nerven wie: „Du wirst schon wieder gesund“ oder „Du schaust schon viel besser aus“ – weil sie der Wahrheit nicht ins Gesicht schauen wollen. Wenn so ein Patient ein bayerischer Dickschädel wie Maria ist, dann begehrt er auf. Seine letzte Kraft nimmt er, um seiner Wut und seiner Verzweiflung Luft zu machen. Maria watscht den ignoranten Arzt, die gefühlskalten Krankenschwestern und die hilflosen Angehörigen ab. Sie hält die Chemo, die Lügen, das Verdrängen und auch die Schmerzen nicht mehr aus. Sie will nach Hause, auf ihren Hof: zu ihren Söhnen, zu ihren Büchern und Blumen. Sie will in Würde und weitestgehend schmerzfrei ihre letzte Zeit erleben, damit sie sich auf ihre letzte Reise in Ruhe und Geborgenheit vorbereiten kann. Doch dafür muss sie kämpfen. Die Geschichte von Maria Stadler, die Regisseur Rainer Kaufmann mit sehr viel Einfühlungsvermögen erzählt, ist leider kein Einzelfall. Viel zu viele sterbende Menschen erhalten hier zu Lande nicht die umfassende Pflege und Begleitung, die sie in ihren letzten Lebensmonaten brauchen: Nur 4,1 Prozent der 850 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland sterben, werden hospizlich begleitet. Das heißt, ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen die Schwerstkranken und leisten vorrangig psycho-soziale Hilfe. Sie haben ein offenes Ohr für die Ängste und Sorgen der Patienten und entlasten die pflegenden Angehörigen, indem sie zum Beispiel im Haushalt mithelfen. Noch schlechter sieht es bei der qualifizierten, umfassenden medizinischen Pflege und Begleitung aus. Die so genannte Palliative-Care erhalten nur 2,1 Prozent der Schwerstkranken. Palliative-Care-Teams, die ambulant moderne Schmerztherapie leisten und quälende Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Atemnot wirksam behandeln können, sind eine Seltenheit. Diese Teams ermöglichen, dass schwerstkranke Tumorpatienten so lange wie möglich zuhause begleitet und gepflegt werden können. Und die Folgen der Unterversorgung? Nach wie vor sterben 80 Prozent der Menschen im Krankenhaus oder im Pflegeheim, weil sie keine Alternative haben. Und dass keiner ins Krankenhaus will, ist nicht verwunderlich – die Darstellung von Klinikarzt Dr. Fritz Osterhahn zeigt das Dilemma, in dem viel Ärzte stecken. Sie sind unsicher, was das Sterben angeht und halten sich deshalb krampfhaft am Therapieren fest. Aus Hilflosigkeit wird noch eine Behandlung angeboten, auch wenn keine Heilung mehr möglich ist. Aber wie sollen Ärzte und Pflegende mit dem Sterben umgehen können, wenn sie nur zum Heilen ausgebildet werden? Jeder möchte wie Maria Stadler in seiner vertrauten Umgebung die letzten Monate verbringen: noch einmal den Duft der liebevoll gepflegten Rose im Garten schnuppern, eine Tasse Tee aus der Lieblingstasse trinken, die Hand über geliebte Bücher streichen, Zwistigkeiten in der Familie beilegen und die letzten Dinge regeln, damit man im Kreise der Familie loslassen und gehen kann. Damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird, bleibt noch vieles zu tun. Rainer Kaufmann gelingt es, auf liebevolle Weise mit dem großen Tabu des Sterbens zu brechen. Sein Film macht Mut, denn er scheut sich nicht, das Hässliche, das Vergängliche und die Angst zu zeigen – ohne die Hoffnung aufzugeben. Der Film ist ein Plädoyer für ein würdiges Lebens bis zuletzt. Dies ist möglich, wenn alle an einem Strang ziehen und die Voraussetzungen dafür schaffen: Wenn der Arzt erkennt, dass nur noch Schmerztherapie Maria helfen kann; wenn die Krankenschwester begreift, dass sie es nicht mit einem anonymen Patienten, sondern mit einem Menschen zu tun hat; wenn professionelle, ambulante Hilfe und Pflege angeboten wird und wenn die Angehörigen den Schmerz des Abschieds zulassen können.

Hintergrund

Die gemeinnützige und unabhängige Deutsche Hospiz Stiftung ist die Patientenschutzorganisation der Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55 000 Mitgliedern und Förderern. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen DZI hat der Stiftung sein Spendensiegel verliehen, das Markenzeichen seriöser spendensammelnder Organisationen. Schirmherrin der Stiftung ist die Schauspielerin Uschi Glas.


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