Startseite

PatientenschutztelefonKostenfreie Beratung

Patientenschutztelefon

Patientenschutztelefon

Dortmund: 0231 7380730
Berlin: 030 28444840
München: 089 2020810

Pressemeldungen 1999

10.03.1999

Gesundheitssystem versagt bei Sterbebegleitung: 850.000 Betroffene - Aktive Sterbehilfe darf keine Lösung sein


Gesundheitssystem versagt bei Sterbebegleitung: 850.000 Betroffene - Aktive Sterbehilfe darf keine Lösung sein

Kategorie:Pressemitteilungen 
Erstellt von: newseditor

Der größte Wunsch todkranker Patienten, die letzte Zeit ihres Lebens zu Hause zu verbringen, wird in Deutschland nicht erfüllt. Nur jeder Zehnte stirbt in vertrauter Umgebung. Die deutliche Mehrheit stirbt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Eine Entwicklung, die nicht sein muss, denn durch qualifizierte Hospizarbeit und effektive, moderne Schmerztherapie könnten 65 Prozent der Menschen in vertrauter Umgebung sterben. Und: Diese neue "Kultur des Sterbens" rechnet sich. Werden bei Patienten am Ende ihres Lebens fünf Tage Klinikaufenthalt vermieden und bei einem Drittel im Verlauf der Erkrankung drei Kliniktage "eingespart", sind Kostensenkungen für das Gesundheitssystem möglich. Dies teilte die Deutsche Hospiz Stiftung am Mittwoch in Berlin mit anlässlich der Übergabe von 150.000 Unterschriften für "menschliche Zuwendung statt aktiver Sterbehilfe", zusammengefügt zu einem "Band der Solidarität". Die Schirmherrin der Deutschen Hospiz Stiftung, Uschi Glas, und der Stiftungsratsvorsitzende, Professor Dr. Friedhelm Farthmann, MdL, überreichten die Listen an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.

Uschi Glas: "Nach einem Leben oft voller Mühe und Arbeit wird doch wohl jeder erwarten, am Lebensende nicht einsam und verlassen zu sein!"

Rund 850.000 Menschen erhalten jedes Jahr die niederschmetternde Diagnose, dass sie bald sterben werden, 330.000 davon an Krebs. Die Zahl der Tumorkranken wird nach Schätzungen von Experten in den nächsten 15 Jahren um 30 bis 40 Prozent steigen. "Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig unser Einsatz für einen höheren Stellenwert der Hospizarbeit und Palliativmedizin (Schmerztherapie) in unserer Gesellschaft ist", erklärte Friedhelm Farthmann. Und für Uschi Glas steht fest: "Nach einem Leben oft voller Mühe und Arbeit darf doch wohl jeder erwarten, am Ende nicht einsam und verlassen zu sein. Wir dürfen schwerstkranke Menschen nicht abschieben, sondern müssen ihnen bis zuletzt beistehen und ihr Sterben würdig gestalten." Aktive Sterbehilfe lehnen Glas und Farthmann daher auch ab: "Die Menschen rufen doch nur deshalb nach der Todesspritze, weil sie anderen nicht zur Last fallen wollen, Angst vor Schmerzen haben oder sich einsam fühlen."

Warnung vor dubioser Geschäftemacherei mit aktiver Sterbehilfe

Mit Blick auf das zusammenwachsende Europa warnte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, vor einer schleichenden Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. Welch dramatische Auswirkung in unserer nächsten Nachbarschaft der Einsatz der Giftspritze hat, zeigt die aktuelle Statistik der niederländischen Regierung. Auf Verlangen des Patienten wurden dort im vergangenen Jahr 2.300 Menschen durch Gift getötet, 8.100 durch Überdosis eines Medikamentes und in 7.858 Fällen wurden lebensverlängernde Maßnahmen ohne Verlangen des Patienten abgebrochen. In rund 1.000 Fällen wurde tödliches Gift sogar ohne Verlangen des Patienten verabreicht. Brysch: "Damit hatten die betreffenden Ärzte in insgesamt 20 Prozent aller Todesfälle in den Niederlanden das implizite oder explizite Motiv, das Leben des anvertrauten Patienten zu beenden - ein Skandal!"

Auch in Deutschland gebe es Forderungen nach einer Legalisierung der Patiententötung. In diesem Zusammenhang kritisierte Brysch eine "dubiose Geschäftemacherei" mit der Angst. "Angebote von Erstickungs-Kunststoffhüllen, Giftspritzen und -pillen, ja uns liegen sogar Informationen über einen Selbstmordberater vor - all dies hat mit Menschenliebe wenig zu tun sondern ist schlichtweg kriminell."

Auch wenn die Deutsche Hospiz Stiftung durch die Einrichtung des ersten Lehrstuhls für Palliativmedizin, die Anerkennung des Medizinischen Patientenanwaltes durch die Ärzteschaft und Juristen sowie die Unterstützung von Hospizdiensten wichtige Etappenziele erreicht hat, bleibt auf dem Weg zu einer menschenwürdigen Sterbebegleitung in Deutschland noch einiges zu tun. Aus diesem Grunde legte die Deutsche Hospiz Stiftung einen Forderungskatalog vor, der von 150.000 Menschen unterstützt wurde. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse versprach, in die Beratung der zuständigen Gremien diese Forderungen der Deutschen Hospiz Stiftung einfließen zu lassen:

Forderungskatalog für menschenwürdige Sterbebegleitung vorgestellt

Die Deutsche Hospiz Stiftung fordert:

- Eine Verbesserung der palliativmedizinischen Ausbildung der Ärzte. Hierzu gehören die Aufnahme der Palliativmedizin in die Studien- und Prüfungsordnungen der medizinischen Fakultäten.

- Die Einrichtung von palliativmedizinischen Zentren an den Universitätskliniken.

- Die Verankerung der Hospizidee in die Aus- und Weiterbildung der pflegerischen, therapeutischen und seelsorglichen Berufe, damit sie in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens wirksam werden kann.

- Eine größtmögliche ideelle, strukturelle und finanzielle Unterstützung der Hospizarbeit durch Bund und Länder.

Am bundesweiten Schmerz- und Hospiztelefon der Deutschen Hospiz Stiftung (0231 / 73 80 730) erhalten Menschen jederzeit gerne Auskunft zu Fragen der Hospizarbeit und Palliativmedizin.


Wir sind für Sie da!

Geschäftsstelle Dortmund: Tel. 0231 7 38 07 30
Informationsbüro Berlin: Tel. 030 28 44 48 40
Informationsbüro München: Tel. 089 2 02 08 10

www.stiftung-patientenschutz.de
info@stiftung-patientenschutz.de