Hospiz

01.02.2018

Pflege-Qualitätsbericht: Hunderttausende leiden unter Pflegemängel

Zu dem heute vorgestellten 5. MDS-Pflege-Qualitätsbericht erklärt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch:

Dortmund. "Der heute vorgestellte Pflege-Qualitätsbericht legt erneut zahlreiche Mängel offen. Erstaunlich ist jedoch, dass nur ein Bruchteil davon in der offiziellen Behandlungs- und Pflegefehlerstatistik des MDK zu finden ist. Laut Qualitätsbericht leiden hierzulande unter chronischen Schmerzen rund 600.000 Pflegebedürftige, die im Heim oder durch einen Pflegedienst versorgt werden. Über 20 Prozent bekommen aber keine Hilfe, weil ihre Schmerzen nicht erkannt werden. Das sind 130.000 Menschen. Im Gegensatz dazu weist die Behandlungsfehlerstatistik des MDK insgesamt nur 350 Fehler in der Pflege aus. Auch zeigt der heutige Bericht, dass die Pflegebedürftigen unter der Überlastung der Pflegekräfte leiden. Bei 90.000 Pflegeheimbewohnern ist die Versorgung mit Medikamenten fehlerhaft. Darüber hinaus werden viel zu viele Menschen im Pflegeheim immer noch fixiert. Bei tausenden Bewohnern fehlt sogar die vorgeschriebene Genehmigung dazu. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Versorgung von ambulant versorgten Beatmungspatienten. Wenn ein Viertel dieser Schwerstkranken keine fachgerechte Pflege erhält, ist das ein Alarmsignal. Es ist entsetzlich, dass der MDK diese Freiheitsberaubungen und schwerste Pflegemängel nicht zur Anzeige bringt. Viel zu sehr beschränken sich die Pflege-Qualitätsberichte auf kalte Buchhalterei.

Besorgniserregend ist auch das Ergebnis der erstmaligen Abrechnungsüberprüfung der ambulanten Dienste. Fast sieben Prozent zeigen grobe Auffälligkeiten bei der Rechnungslegung. Das sind immerhin 900 Dienste in Deutschland. Der Gesetzgeber ist gefordert, endlich die einheitliche Patientennummer und die verbindliche elektronische Abrechnung einzuführen."

Hintergrund
Die gemeinnützige Deutsche Stiftung Patientenschutz ist die Sprecherin der schwerstkranken, schwerstpflegebedürftigen und sterbenden Menschen. Zur Wahrung der Unabhängigkeit verzichtet sie auf Gelder der Leistungserbringer, Krankenkassen und der öffentlichen Hand. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen ihrer 55.000 Mitglieder und Förderer. Mit dem Patientenschutztelefon bietet sie Hilfesuchenden und Betroffenen praktische Unterstützung bei Fragen rund um das Pflegerecht, Pflegeeinstufungen und Pflegemissstände. Ebenso hilft sie bei der Durchsetzung des Anspruchs auf Palliative Care und Sterbebegleitung, bietet Beratungen und Umsetzung von Patientenverfügungen sowie Hilfe beim Krankenkassenwechsel an. Sie hieß früher Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung.

Hinweise der Deutschen Stiftung Patientenschutz

  • Seit Juli 2009 muss der gesetzlich versicherte Patient für einen Hospizaufenthalt keinen Eigenanteil mehr bezahlen. Ausgenommen sind Sonderleistungen, wie zum Beispiel ein Fernsehanschluss. Erhalten Sie dennoch eine Rechnung über einen Eigenanteil, prüfen wir diese gern für Sie.
  • Als Privatversicherter sollten Sie vor einem Hospizaufenthalt bei Ihrer Krankenkasse erfragen, ob die Kosten übernommen werden. Das gilt vor allem dann, wenn diese Leistung in Ihrer Versicherungpolice nicht erwähnt wird. Manche privaten Kassen übernehmen die Kosten aus Kulanzgründen. Bei Schwierigkeiten wenden Sie sich bitte an uns.
  • Ist die Dauer des Aufenthalts im Hospiz länger als erwartet, lehnt die Krankenkasse unter Umständen die weitere Kostenübernahme ab. Der Patient wird dazu aufgefordert, wieder nach Hause oder in ein Pflegeheim umzuziehen. Ob zu Recht oder Unrecht, muss im Einzelfall geprüft werden. Als Betroffener wenden Sie sich bitte an uns.
  • Der Wechsel in ein Hospiz ist für Pflegeheimbewohner nahezu ausgeschlossen. Deshalb empfiehlt es sich, bereits bei der Entlassung aus dem Krankenhaus auf einen Hospizaufenthalt zu drängen, falls eine entsprechende Krankheitssituation vorliegt. Lehnt die Krankenkasse das ab, wenden Sie sich bitte umgehend an uns.