Pressemeldungen

09.04.2010

Zur heute verbreiteten Meldung, dass die Pflegeversicherung 2009 ein Plus von einer Milliarde Euro erwirtschaftet hat, erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch:

„Jetzt den Überschuss zu feiern, den die Pflegeversicherung im vergangenen Jahr erzielt hat, wäre kurzsichtig und verfehlt. Denn die Diagnose steht seit langem fest: Die Pflegeversicherung in ihrer derzeitigen Form ist weder in der Lage, heute ein die Würde wahrendes Pflegesystem zu unterhalten, noch ist sie auch nur ansatzweise dazu fähig, die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen. Die Politik muss endlich daran gehen, ihre Hausaufgaben zu machen und die Pflegeversicherung zu reformieren. Wir benötigen einen fundamentalen Schwenk in der Gesundheitsversorgung, wenn wir die Lebensqualität der Menschen in ihren letzten Jahren, Monaten und Wochen ernsthaft verbessern wollen.

Ein zentrales Problem ist die Trennung von Pflege- und Krankenversicherung. Sie ist nicht nur ineffizient, sie führt vor allem dazu, dass die Menschen zwischen den Systemen aufgerieben werden. Wie so oft gilt auch hier: Mehrere Köche verderben den Brei. Wenn beispielsweise ein Patient dehydriert oder wegen mangelnder Sturzprophylaxe beim Toilettengang zu Fall kommt, folgen darauf Krankenhausaufenthalt und Reha. Die Kosten für die schlechte Pflege zahlt also die Krankenversicherung. Ein solches System kann nur zu Misswirtschaft führen. Die pflegebedürftigen Menschen spüren das am eigenen Leib, die Versicherten in der Brieftasche.“

Berlin, 9. April 2010

Hintergrund

Die gemeinnützige und unabhängige Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist die Sprecherin der Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55.000 Mitgliedern und Förderern und unterhält das bundesweit einzigartige Hospiz- und Patientenschutztelefon sowie die Schiedsstelle Patientenverfügung.